Und hier ist der Bericht.
Leider hatte sich Petrus nicht mit mir auf gutes Wetter geeinigt. Denn beim Aufstehen um ca 05:30 Uhr regnete es noch. Aber wie schon als Twizy-fahrer gilt auch hier (nur natürllich weniger, da der Microlino ja dicht ist): es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Vollgeladen fuhr ich also gegen 6 Uhr los. Ich wusste aus Erfahrung, dass es ein langer Tag würde. Und ein Punkt bildete der Furkapass als Deadline: um 18:00 Uhr wird er gesperrt. Also musste ich unbedingt vorher auf der Passhöhe sein. Nicht für das Fahren würde ich die meiste Zeit aufwenden, sondern beim Warten an der Ladesäule. Gemütlich, aber trotzdem nicht als Verkehrhindernis kurvte ich also via Axenstrasse Richtung Erstfeld. Dort war für mich der erste Ladehalt vor dem Gotthardpass angesagt. Zum Glück war wenig Verkehr. Und diejenigen Autofahrer (Urner können auch recht rasant unterwegs sein

) hatten immer die Gelegenheit, mich zu überholen. In Erstfeld stellte ich dann fest, dass an "meiner" Ladesäule Chilbibetrieb herrschte. Nicht in Betrieb, aber schon aufgestellt. Ich versuchte, über die steinerne Abschrankung zu laden. Doch leider wurde mein Ladevorgang immer wieder unterbrochen.
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"Sch..". Wo ist die nächste Ladesäule? Mit der App "eCarUp" (Betreiberin jener Säule) fand ich nicht weit weg eine weitere Möglichkeit zum Laden. Dort klappte es dann. Während dieser Zeit genoss ich die Ruhe und machte ein Nickerchen im Microlino. Wenn man alleine ist, so kann man gut die Beine ausstrecken. Hinlegen ist leider nicht möglich

.
Mit 100% im Akku und gegen 08:30 Uhr ging es dann weiter. Nun Richtung Gotthardpass. Wann würde diesmal die erste Meldung für "zu warmer Motor" kommen? Ich benutzte natürlich nicht die Autobahn. Und die Geschwindigkeit bewegte sich so zwischen 30 - 40km/h. Ich war fast alleine unterwegs. Touristen und Einheimische waren wohl noch müde und im Bett. Kurz vor Andermatt, genauer bei der Teufelsbrücke ging ich dann raus. Die Meldung war in der Galerie aufgetaucht. Also bot sich eine kurze Besichtigung der Brücke, Sandwich- und Pinkelpause an. Ich hätte eigentlich vermutet, dass die Meldung später kommen würde. Die Temperatur war geschätzt 5 - 10°C.
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Nach rund 10 Minuten machte ich mich schon wieder auf die Strecke. Nun hoffte ich natürlich, dass ich ohne Unterbruch auf die Passhöhe kommen würde. Und juhui, es klappte. Die letzten 3km testete ich dann noch die Federung auf der alten Pflastersteinstrasse. Sie ist viel besser als beim Twizy

. Nach einem kurzen "Passfoto" ging es dann wieder runter Richtung Airolo: natürlich auf der Tremola. Mit der Reku-höhe war ich sehr zufrieden. Man hätte es fast "One-Pedal-Driving" nennen können. Einzig an vereinzelten Punkten musste ich vor Kurven oder zu langen Geraden bremsen. Wichtig war einfach, dass die Geschwindigkeit nie zu hoch wurde.
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In Airolo gab es dann "Saft" für beide: Strom für den Microlino, Kaffee und Getränk für mich. Leider habe ich das noch zu wenig intus: Wenn man mit der Fernbedienung den Microlino öffnet, so wird der Ladevorgang unterbrochen. Ich öffnete mal, holte etwas raus und schloss wieder. Beim Zurückkommen war dann die Ladung unterbrochen gewesen. Zum Glück verlor ich so nur ca 1 halbe Stunde.
Kurz nach 13 Uhr gings dann endlich weiter, Richtung Nufenenpass. Es war einfach herrlich: gemütlich Richtung Pass mit seinen weissgepuderten Gipfeln zu fahren, und dabei die gelben Nadelbäume im Vordergrund zu bewundern. Und im Hintergrund der stahlblaue Herbsthimmel. Wäre ich mit dem Motorrad unterwegs gewesen, so hätte ich das Ganze nur halb so gut geniessen können. Im Microlino hat man einfach viel mehr Zeit.
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Ca 3km vor der Passhöhe "durfte" ich dann wieder eine Zwangskaffeepause machen. Sie wurde auch genutzt: mit Kaffee ohne Kuchen, aber mit Feldstecher. Tipp an alle MicrolinianerInnen: nehmt Kaffee, Feldstecher und Campingstuhl mit auf eine Alpentour. Es macht die Pausen viel kurzweiliger und angenehmer

. Nach kurzem Halt erreichte ich dann den Pass. Wieder das obligate "Passfoto".
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Nun folgte eine schöne Talfahrt. Hier reichte leider die Reku-Stufe nicht. Ich musste oft bremsen. Da aber zuerst die Reku-Stufe beim Bremsen nochmals erhöht wurde, habe ich die Bremsscheiben wahrscheinlich nicht so stark genutzt. Auf jeden Fall war es schön zu sehen, wie die Prozentanzeige wieder nach oben ging. Unten in Ulrichen war der zweitletzte Ladehalt geplant. Er befand sich an idealer Stelle. Denn daneben gab es einen Einkaufsladen. Da ich nichts "Gesundes" eingepackt hatte, deckte ich mich nun mit Früchten ein. Campingstuhl, Tablet und Kaffeekrug hervor - Früchte und einfach das Hiersein geniessen. Das Leben ist einfach herrlich - wenn man sich Zeit gibt. Bei dieser "Wartestelle" gab es dann diverse "Kundengespräche". Wir Microlinianer sollten eigentlich einen Bund Prospekte dabei haben, die wir an interessierte Passanten verteilen könnten

.
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Soll ich nun Grimsel- und Furkapass machen? Oder nur den Furkapass? Diese Frage stellte ich mir kurz vor der Abfahrt. Es war nun schon fast 16:30 Uhr. Ich entschloss mich dann, den Grimselpass aufs nächste Jahr zu verschieben (falls es nicht noch lange so schön bleibt). Denn eine Zwangspause könnte meine Planung (Furkapass vor 18 Uhr überqueren) über den Haufen werfen. Die zukünftige Pässerunde könnte dann Furkapass - Grimselpass - Sustenpass sein

. Also - direkt auf den Furkapass mit fast vollem Akku. Wow - diesmal ohne Zwangspause. Nur eine ganz kurze Pinkelpause auf der Fahrt. Was habe ich anders gemacht? Es waren doch von Ulrichen aus über 1000 Höhenmeter und rund 21km? Keine Ahnung. Und langsamer gefahren bin ich auch nicht.
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Von diesem Punkt aus (Furkapass) ging es dann seeehhr lange runter: zuerst bis auf die Ebene Realp - Andermatt, dann von dort bis Amsteg. Wenn ich mit über 60% dort unten ankomme, würde ich in Erstfeld nicht mehr zwischenladen, beschloss ich auf der Fahrt. Also war mein Ziel, möglichst viel rekuperieren und sparsames Fahren auf ebenen oder leicht ansteigenden Strecken. Dies gelang mir recht gut. Denn Realp - Amsteg kostete mich 0% Energie. Ich kam unten mit 65% an. Ab jetzt kam wieder der langweiligste Teil für mich: viel Verkehr und nichts Schönes zum Geniessen. Die Axenstrasse wäre eigentlich ja schon schön. Aber der Stress des Fahrens frisst dies ganz auf: immer ein bisschen Stau, gestresste "Ferienreisende", ...
Kurz vor 19:30 Uhr fuhr ich dann zuhause vor. Eine schöne, aber lange Tour gehörte wieder der Vergangenheit an.
Kurze Gesamtdaten:
Gesamtstrecke: 234.2km
Geladene kWh: 18.38 kWh (Daten Ladesäule, App-Abrechnung)
Berechneter Verbrauch:
7.85 kWh/100km
Übrigens:
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